Para-Karate in Dresden: Wenn aus einem Worksho...

Para-Karate in Dresden: Wenn aus einem Workshop ein echtes Gemeinschaftsprojekt wird

Para-Karate in Dresden: Wenn aus einem Workshop ein echtes Gemeinschaftsprojekt wird

Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, drei Bereiche in einer Halle und Menschen, die teils mehrere hundert Kilometer Anreise auf sich genommen haben: Der Para-Karate-Workshop am 19. September 2026 beim Dresdner Karate Team war für mich etwas Besonderes. Es war der bislang größte Para-Karate-Workshop, an dem ich mitwirken durfte – und einer dieser Tage, an denen man merkt, was entstehen kann, wenn Menschen nicht lange darüber reden, was möglich wäre, sondern es einfach machen. Die Halle war für den Workshop in drei Bereiche aufgeteilt. Dadurch konnten unterschiedliche Themen parallel behandelt werden, ohne dass daraus drei voneinander getrennte Veranstaltungen wurden. Gerade diese Mischung hat für mich einen großen Teil des Reizes ausgemacht.

Para-Karate praktisch erleben

In unserem Bereich ging es ganz konkret um Para-Karate im Rollstuhl. Dazu gehörten Karate-Grundtechniken ebenso wie der Umgang mit dem Rollstuhl selbst und die Fahrweise. Wer normalerweise nicht im Rollstuhl trainiert, merkt dabei sehr schnell, dass es nicht reicht, einfach eine bekannte Karatetechnik im Sitzen auszuführen. Positionierung, Bewegung, Stabilität und der Umgang mit dem Rollstuhl gehören unmittelbar dazu. Genau solche praktischen Erfahrungen sind für mich ein wichtiger Bestandteil dieser Workshops. Para-Karate lässt sich nur begrenzt theoretisch erklären. Viele Dinge werden erst verständlich, wenn man selbst ausprobiert, wie Bewegungen funktionieren, welche Anforderungen entstehen und wie viel Technik auch im Umgang mit dem Sportgerät Rollstuhl steckt.

Gemeinsames Training statt Parallelwelten

Im zweiten Bereich trainierte der Kader des Dresdner Karate Teams. Dabei blieb es aber nicht bei einem Training nebeneinander. Im Laufe des Workshops wurde auch gemeinsam trainiert. Genau das macht solche Veranstaltungen für mich interessant: Para-Karate wird nicht als Sonderveranstaltung irgendwo an den Rand gestellt, sondern unterschiedliche Athletinnen und Athleten, Trainer und Perspektiven kommen in einer Halle zusammen. Das klingt eigentlich selbstverständlich. Im Sport ist es das aber längst noch nicht überall. Umso schöner ist es, wenn gemeinsames Training nicht erst groß erklärt werden muss, sondern einfach passiert.

Auch die Kampfrichter waren gefragt

Ein dritter Schwerpunkt beschäftigte sich mit den Wettkampfregeln im Para-Karate. Kampfrichter tauschten sich über Regelwerk, Bewertung und praktische Fragen im Wettkampf aus. Besonders interessant war dabei der Besuch von Gästen aus dem Deutschen Turner-Bund. Dort bestand unter anderem Interesse daran, wie im Para-Karate Leistungen bewertet und Punkte vergeben werden. Für mich zeigt gerade dieser Austausch, welchen Wert solche Workshops über das eigentliche Training hinaus haben. Es treffen nicht nur Sportler aufeinander. Trainer, Kampfrichter und Vertreter anderer Sportarten können voneinander lernen, unterschiedliche Erfahrungen vergleichen und vielleicht auch Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen.

Für einen Workshop quer durch Deutschland

Wie groß das Interesse war, zeigte sich auch an den Anreisen. Die weiteste führte aus dem Raum Pforzheim nach Dresden. Das ist keine Strecke, die man mal eben nebenbei zurücklegt. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass insgesamt mehr als 30 Menschen dabei waren. Die Zusammensetzung war dabei mindestens genauso bemerkenswert wie die reine Teilnehmerzahl. Aktive, Kaderathleten, Rollstuhlnutzer, Referenten und Kampfrichter kamen zusammen. Damit war der Workshop nicht nur groß, sondern auch inhaltlich breit aufgestellt.

Ein bisschen Workshop, ein bisschen Familientreffen

Mit dem Dresdner Karate Team arbeite ich inzwischen sehr gern zusammen. Was ich dort besonders schätze, lässt sich relativ einfach beschreiben: Da sind Menschen, die etwas auf die Beine stellen wollen – und es dann auch tun. Gleichzeitig fühlt sich die Zusammenarbeit nicht nach einer durchorganisierten Pflichtveranstaltung an.Wenn wir uns treffen, hat das inzwischen fast etwas von einem Familientreffen. Man kennt sich, tauscht sich aus, diskutiert, trainiert zusammen und entwickelt neue Ideen. Dass daraus diesmal der größte Para-Karate-Workshop geworden ist, bei dem ich bisher mitwirken durfte, freut mich deshalb besonders.

Mehr als 30 Teilnehmer sind für mich aber nicht einfach nur eine schöne Zahl. Sie zeigen, dass Interesse da ist – am Para-Karate, am gemeinsamen Training und am Austausch darüber, wie Sport praktisch inklusiver gestaltet werden kann. Und nach diesem Samstag in Dresden habe ich vor allem eines mitgenommen: Von solchen Tagen darf es gern mehr geben.


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