Chemnitz Open 2026: Ein Wettkampf zum Ausprobi...

Chemnitz Open 2026: Ein Wettkampf zum Ausprobieren – und ein Saisonabschluss, der besser kaum hätte laufen können

Chemnitz Open 2026: Ein Wettkampf zum Ausprobieren – und ein Saisonabschluss, der besser kaum hätte laufen können

Am 3. Oktober 2026 standen für mich die Chemnitz Open auf dem Programm – zum ersten Mal überhaupt. Gleichzeitig war es mein letzter Wettkampf in diesem Jahr. Entsprechend bin ich mit einem etwas anderen Ansatz nach Chemnitz gefahren als zu vielen anderen Turnieren: Natürlich wollte ich einen guten Wettkampf machen. Vor allem aber wollte ich etwas ausprobieren.

Im Mittelpunkt stand für mich eine neue Kata, an der ich schon längere Zeit arbeite. Die Chemnitz Open sollten deshalb gewissermaßen ein Training unter Wettkampfbedingungen werden. Das schmälert die Bedeutung des Turniers keineswegs. Im Gegenteil: Gerade ein richtiger Wettkampf zeigt sehr schnell, ob das, was im Training funktioniert, auch dann trägt, wenn Kampfrichter bewerten, andere Athleten auf der Fläche stehen und jeder Fehler unmittelbar sichtbar wird.

Für diesen Test waren die Chemnitz Open alles andere als eine kleine Bühne. Laut mehreren Verbandsberichten kamen 2026 insgesamt 1.162 Starts aus 95 Vereinen und acht Nationen zusammen. Die Wettkämpfe wurden auf elf Tatami ausgetragen. Der Veranstalter Bushido Chemnitz, die Karate-Abteilung des Chemnitzer Freizeit- und Wohngebietssportvereins, hatte das Turnier im Sportforum Chemnitz ausgerichtet. Para-Karate war ausdrücklich Bestandteil der Ausschreibung. 

Eine neue Kata muss irgendwann aus dem Training heraus

Irgendwann kommt bei einer neuen Kata der Punkt, an dem Training allein nicht mehr reicht. Man kann Bewegungsabläufe wiederholen, Übergänge verändern, Geschwindigkeit, Dynamik und technische Details immer weiter bearbeiten. Aber irgendwann muss man wissen: Funktioniert das Ganze auch im Wettkampf?

Genau das wollte ich in Chemnitz herausfinden.

Wenn ich sage, dass ich die Kata dort zum ersten Mal „auf den Markt geschmissen“ habe, trifft das ziemlich genau, wie ich diesen Start gesehen habe. Sie war soweit vorbereitet, dass ich sie unter Wettkampfbedingungen zeigen konnte. Ausgereift ist sie deshalb noch lange nicht.

Eine Kata überhaupt erst einmal an diesen Punkt zu bekommen, ist für mich ein langfristiger Prozess. Ich rechne mit mindestens einem Jahr Vorbereitung, bevor ich einen neuen Ablauf guten Gewissens im Wettkampf einsetzen kann. Dann beginnt eigentlich schon die nächste Phase. Im Wettkampf merkt man plötzlich Dinge, die im Training kaum auffallen: Wo entstehen kleine Unsicherheiten? Wo fehlt vielleicht noch Tempo? Wo funktioniert ein Übergang schon richtig gut? Und vor allem: Wie wirkt die Kata von außen?

Deshalb war mir das Ergebnis dieses Tests fast wichtiger als eine Platzierung.

Es lief wie geschnitten Brot

Und dann lief es tatsächlich so, wie ich es mir erhofft hatte.

Die neue Kata funktionierte unter Wettkampfbedingungen ausgesprochen gut. Keine große Überraschung an einer Stelle, an der ich sie nicht gebrauchen konnte, keine Situation, bei der ich hinterher sagen musste: Das müssen wir noch einmal komplett neu denken. Es lief, um es genau so zu sagen, wie es sich angefühlt hat: wie geschnitten Brot.

Das hat mich selbst ein wenig überrascht. Natürlich gehe ich nicht mit einer Kata in einen Wettkampf, von der ich glaube, dass sie nicht funktioniert. Aber zwischen „im Training funktioniert sie“ und „ich fühle mich damit auch im Wettkampf sofort wohl“ liegt trotzdem ein Unterschied. In Chemnitz hatte ich dieses gute Gefühl sehr schnell. Dazu kam etwas, das diesen Wettkampf für mich besonders gemacht hat: der Zuspruch. Ich kann mich an kaum einen Wettkampf erinnern, bei dem ich anschließend so viel anerkennende Rückmeldung zu meiner Leistung und gerade zu dieser Kata bekommen habe.

Das hat mich gefreut – und ja, auch ein bisschen stolz gemacht.

Nicht, weil damit plötzlich alles fertig wäre. Sondern weil solche Rückmeldungen zeigen, dass sich die Arbeit lohnt. Hinter wenigen Minuten auf der Tatami stecken viele Monate Training, Änderungen, Wiederholungen und manchmal auch Entscheidungen, bei denen man selbst zunächst gar nicht weiß, ob sie am Ende funktionieren werden. Wenn diese Arbeit dann sichtbar wird, ist das ein gutes Gefühl.

Sieg zum Saisonabschluss

Am Ende konnte ich meine Kategorie bei meinen ersten Chemnitz Open gewinnen.

Natürlich nehme ich diesen Erfolg sehr gern mit. Trotzdem war für mich an diesem Wochenende etwas anderes mindestens genauso wichtig: Ich bin mit einer konkreten sportlichen Fragestellung nach Chemnitz gefahren und habe darauf eine ziemlich eindeutige Antwort bekommen. Die Kata funktioniert. Jetzt kann die eigentliche Detailarbeit weitergehen.

Das ist für mich vielleicht der interessanteste Unterschied zwischen einem Trainingswettkampf und einem Wettkampf, auf den man über Monate gezielt hinarbeitet. Bei einem Saisonhöhepunkt geht es darum, das bestmögliche Ergebnis mit dem vorhandenen Leistungsstand abzurufen. Bei einem Wettkampf wie diesem darf man auch bewusst etwas riskieren und testen. Denn neue Dinge entwickeln sich nicht dadurch weiter, dass man sie ewig im Training versteckt. Irgendwann müssen sie raus.

Para-Karate selbstverständlich im Programm

Dass Para-Karate bei den Chemnitz Open ausdrücklich Teil der Veranstaltung war, ist für mich ebenfalls erwähnenswert. In der offiziellen Ausschreibung wurden die Chemnitz Open 2026 ausdrücklich mit Para-Karate angekündigt. Auch der Sächsische Karatebund führte die Veranstaltung unter „Chemnitz Open und Para-Karate“. Für die übrigen Wettbewerbe galten die Regeln des Deutschen Karate Verbandes beziehungsweise der World Karate Federation. Chemnitz Open

Solche Turniere sind wichtig, weil Para-Karate dort nicht irgendwo als separates Rahmenprogramm stattfindet, sondern Teil einer großen Karate-Veranstaltung ist. Genau diese Selbstverständlichkeit gehört für mich zur Entwicklung unserer Disziplin dazu. Bei mehr als 1.100 Starts aus zahlreichen Vereinen und mehreren Nationen entsteht außerdem eine Atmosphäre, die man im Training natürlich nicht simulieren kann. Gerade wenn man etwas Neues ausprobieren möchte, ist das wertvoll: Man bekommt eine echte Wettkampfsituation und gleichzeitig Rückmeldungen, mit denen man anschließend weiterarbeiten kann. 

Ein Abschluss, der Lust auf mehr macht

Vor den Chemnitz Open war für mich klar: Danach ist die Wettkampfsaison 2026 beendet. Nach diesem Wochenende kann ich sagen, dass ich mir kaum einen besseren Abschluss hätte wünschen können. Ich habe meine Kategorie gewonnen, eine neue Kata erfolgreich unter Wettkampfbedingungen getestet und vor allem unglaublich viel Spaß gehabt.

Das Letzte ist für mich gar nicht nebensächlich. Leistungssport besteht aus Training, Planung, Wiederholungen, Wettkämpfen, Reisen und vielen Stunden Arbeit an Details. Umso besser ist es, wenn man irgendwann auf der Fläche steht und merkt: Genau deshalb mache ich das. Dieses Gefühl hatte ich in Chemnitz.

Und deshalb hoffe ich auch, dass es terminlich passt und aus meinem ersten Start bei den Chemnitz Open nicht mein einziger bleibt. Wenn es sich mit der Planung vereinbaren lässt, würde ich 2027 sehr gern wiederkommen. Dann vermutlich mit einer Kata, die nach einem weiteren Jahr Arbeit schon wieder ein ganzes Stück anders aussehen wird.


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