Heim-EM in Frankfurt 2026 – zwischen Stolz, Re...
Heim-EM in Frankfurt 2026 – zwischen Stolz, Realität und dem Blick nach vorn
Heim-EM in Frankfurt 2026 – zwischen Stolz, Realität und dem Blick nach vorn
27. Mai 2026
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Es gibt Wettkämpfe, die sind einfach Turniere.
Und es gibt Wettkämpfe, die sich schon Monate vorher anders anfühlen.
Die Karate- und Para-Karate-Europameisterschaft 2026 in Frankfurt war genau so ein Moment.
Eine Europameisterschaft im eigenen Land. Deutschland als Gastgeber. Die große Bühne direkt vor der eigenen Haustür. Natürlich ist das etwas Besonderes. Und natürlich geht man in so ein Event mit einer Mischung aus Vorfreude, Spannung und sportlichem Ehrgeiz. Die Vorbereitung auf Frankfurt war intensiv und bewusst aufgebaut. Die Deutsche Meisterschaft in Ingolstadt, die ich gewinnen konnte. Das letzte Vorbereitungsturnier, der Zwönitztalpokal, ebenfalls mit einem Sieg abgeschlossen. Gute Trainingsphasen, stabile Abläufe, der Versuch, genau den richtigen mentalen Zustand zu finden.
Der Plan war klar:
Locker bleiben. Von Runde zu Runde denken. Im Moment bleiben.
Und trotzdem ist Wettkampf am Ende nie nur Theorie.
Die besondere Bühne
Schon beim Betreten der Halle war klar: Das hier ist keine gewöhnliche Meisterschaft. Die Atmosphäre. Die Nationen. Die bekannten Gesichter aus Europa. Das Wiedersehen mit Athleten, Coaches und Funktionären. Die Spannung im Warm-up-Bereich. Das Kribbeln vor dem eigenen Start. Solche Momente machen Leistungssport aus.
Und trotzdem war Frankfurt für mich nicht einfach nur ein emotionales Erlebnis. Ich bin nicht angetreten, um „dabei gewesen zu sein“.
Ich wollte sportlich liefern.
Die ehrliche sportliche Einordnung
Mit etwas Abstand bleibt Ehrlichkeit wichtig.
Mit Platz 11 in der Endabrechnung hätte ich mir natürlich ein besseres Ergebnis gewünscht. Das wäre unehrlich, etwas anderes zu behaupten.
Aber genauso ehrlich ist:
Unter den gegebenen Umständen habe ich in Frankfurt mehr herausgeholt, als ich im Vorfeld selbst erwartet hatte.
Wer nur das Ergebnis liest, sieht vielleicht ein unteres Mittelfeld. Wer genauer hinschaut, erkennt mehr. Ich habe mich in einem international stark besetzten Feld behauptet, Athleten hinter mir gelassen und gezeigt, dass ich auf diese Bühne gehöre. Nein – es war kein sportlicher Durchbruch. Aber es war auch ganz sicher kein Auftritt, bei dem ich mir sagen müsste, dass ich dort nichts verloren hätte.
Heimvorteil? Leider nein.
Eine Heim-Europameisterschaft klingt nach Rückenwind. Nach kurzen Wegen. Vertrauter Umgebung. Unterstützung. Heimgefühl. Die Realität war deutlich nüchterner. Von einem echten Heimvorteil konnte aus meiner Perspektive leider keine Rede sein.
Eine Heim-EM ist am Ende trotzdem ein internationales Großevent – mit all dem Druck, den Abläufen und der Intensität, die dazugehören. Vielleicht sogar mit einer besonderen inneren Anspannung, weil man im eigenen Land natürlich besonders gut abliefern möchte.
Das macht Dinge nicht leichter.
Mehr als nur der Wettkampf auf der Tatami
Was viele nicht sehen:
Ein Wettkampf beginnt nicht mit dem ersten Gruß auf der Tatami.
Er beginnt Wochen und Monate vorher.
Mit Training.
Mit Organisation.
Mit Reisen.
Mit Sponsorengesprächen.
Mit Öffentlichkeitsarbeit.
Mit Strukturarbeit im Hintergrund.
Mit Verantwortung in mehreren Rollen gleichzeitig.
Und genau das macht die Einordnung manchmal komplex. Ich engagiere mich seit Jahren für Sichtbarkeit, Entwicklung und die Weiterentwicklung des Para-Karate. Weil ich davon überzeugt bin, dass dieser Sport mehr verdient.
Mehr Aufmerksamkeit.
Mehr Struktur.
Mehr sportliche Perspektive.
Warum ich trotzdem stolz bin
Vielleicht gerade deshalb bin ich mit etwas Abstand nicht enttäuscht – sondern eher klar in meiner Bewertung. Natürlich wäre eine bessere Platzierung schön gewesen. Aber Stolz hängt nicht ausschließlich am Tabellenplatz. Stolz entsteht auch daraus, den Weg konsequent gegangen zu sein.
Sich vorbereitet zu haben.
Sich der Herausforderung zu stellen.
Sich auf dieser Bühne zu behaupten.
Und weiterzumachen.
Frankfurt war kein Endpunkt. Frankfurt war ein weiterer wichtiger Abschnitt auf diesem Weg.
Was bleibt?
Eine Heim-Europameisterschaft erlebt man nicht jedes Jahr. Und unabhängig vom Ergebnis bleibt dieses Event etwas Besonderes. Weil es zeigt, wo man steht. Weil es Motivation gibt. Weil es Perspektiven eröffnet. Und weil es deutlich macht, warum man diesen Sport überhaupt betreibt. Nicht wegen einfacher Wege. Sondern wegen der Herausforderung. Frankfurt war intensiv. Lehrreich. Besonders.
Und vor allem:
Ein weiterer Grund, weiterzumachen.


Sehr geehrter Herr Baum, gnadenlos ehrlich und mein größter Respekt. Damit spreche ich nicht nur Ihre Nominierung zur Europameisterschaft an und Ihre Teilnahme, sondern vor allem Ihren Bericht.
Stolz ist mehr als Sieg und stolz sein ist etwas, was man sich selbst verdienen muss. Und hier zählt das von Ihnen Beschriebene: Der Weg ist das Ziel und das Ziel war die Teilnahme. Wenn man alles erreicht hat, fehlt vielleicht manchmal der Ansporn, sich selbst weiter stolz zu machen. Sie haben hier geschrieben, dass es für Sie erst recht ein Ansporn ist, den Weg neu zu gehen und aus den Gegebenheiten zu lernen und daran zu arbeiten.
Respekt und herzlichen Glückwunsch, Teilnehmer eines so großen europäischen Wettbewerbs sein zu dürfen.
Auf ein Neues
Andreas Poth