Karateverbände auf dem Weg zur richtigen sport...

Karateverbände auf dem Weg zur richtigen sportlichen Inklusion

Karateverbände auf dem Weg zur richtigen sportlichen Inklusion

Wie ihr wisst, ist Para-Karate, mein Thema und vor allem mein sportliches zu Hause. Das liegt vor allem daran, dass Para-Karate sehr viele Möglichkeiten bietet zielorientiert aktiv zu sein. Das steht für mich im Vordergrund. Die Bereiche, die das Karate ausmachen.
Der zweite Aspekt im Para-Karate den ich sehr schön finde, der für mich aber nicht die tragende Rolle spielt, ist die Inklusion. Und über den zweiten Aspekt muss ich heute mal etwas, wie man so schön sagt, aus gegebenen Veranlassung, loswerden. Zum Thema Inklusion kann ich jetzt hier nur aus meinen Eindrücken und erlebten Situationen berichten beziehungsweise sprechen. Der erste Schritt zur richtigen Inklusion war, das der deutsche Karateverband, die World Karate Federation und natürlich auch der Thüringer Karateverband das Para-Karate eingegliedert hat. Das ist auch richtig so, weil hier der Sport im Vordergrund steht! In dem Fall das Karate. Selbstverständlich ist die Inklusion vom Para-Karate, in den nicht behinderten Fachsportverbänden und Vereine nicht leicht und läuft schon gar nicht vorurteilsfrei ab.
Aber genau das ist der Punkt. Vorurteile sind reine Kopfsache und Vorurteile abzubauenden sind auch eine Kopfsache. Und das dauert mit unter viele Jahre. Und braucht permanent Präsenz. Aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern sportliche Ziele. Für den Thüringer Karateverband kann ich sagen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und uns zielorientiert auf Augenhöhe bewegen. Dasselbe gilt für die Wahrnehmung und das Arbeiten im deutschen Karateverband, mit den Bereichen, mit denen ich zu tun habe. Natürlich sind wir ja noch lange nicht bei 100 % Inklusion angekommen. Wir arbeiten aber alle fleißig am Para-Karate und der Inklusion. Mich macht es sehr stolz als Rollstuhlfahrer und damit als Mensch mit Handicap teil eines nicht behinderten Fachsportverbandes und für ihn auf Vereins-, Länder und Bundesebene als Athlet und Berater tätig zu werden.

Und genau diese Funktion eines Beraters zum Thema Umgang mit Handicap, Unterstützung von nicht behinderten Sportvereinen im Umgang mit Handicap vermisse ich bei den Behinderten-Sportverbänden auf Landes- und Bundesebene. Aus meiner Sicht sind die Behinderten-Sportverbände mit der Integration von behinderten Menschen in ihre Behinderten-Sportverbände und damit mit ihrer Vergangenheit beschäftigt, dass sie für Inklusion gar keine Zeit mehr haben oder sich dafür nicht zuständig fühlen. Und damit komme ich zu meinen eingangs erwähnten Bauchschmerzen und Frust, den ich schon einige Zeit mit mir rumtrage. Der deutsche Behinderten-Sportverband und seiner Landesverbände sind so damit beschäftigt, den behinderten Sport aus der Sicht der Behinderung zu sehen und weniger der Inklusion. Nur mal ein Beispiel von vielen: In der Presse-Mitteilung des deutschen Behinderten-Sportverbandes vom 24.5.2023 

Starte deinen Weg – Vereinsfinder für Menschen mit Behinderung hat der deutsche Behinderten-Sportverband mitgeteilt, dass er eine online – Plattform ins Leben gerufen hat, wo er die Bundesfachsportverbände, Landes –, Stadt – und Kreissportverbände auffordert, dass Vereine sportliche Angebote für Menschen mit Behinderung dem deutschen Behinderten-Sportverband beziehungsweise dieser Plattform zu zuarbeiten. Damit Zitat: Lassen Sie uns gemeinsam dafür engagieren, dass künftig mehr als 45 Prozent der Menschen mit Behinderung Sport treiben und mehr als sieben Prozent der Vereine Angebote machen/sich öffnen. Zitat Ende.
Ich finde es schon ganz schön anmaßend, alle Verbände aufzufordern, dieser Plattform Leben ein zu hauchen. Da sind natürlich auch die Verbände gemeint, die nach Lesart des deutschen Behinderten-Sportverbandes zur Zeit nicht im paralympischen Programm sich befinden (leider Para-Karate).
Wenn es um die zu arbeiten geht, um so etwas auf die Beine zu stellen, sollen alle mitmachen. Wenn es aber darum geht, dass der deutsche Behinderten-Sportverband Unterstützung geben soll, beschränken sie sich gerne auf die Sportarten, die sie jetzt schon in ihrem Portfolio haben. Ich kann mich da an ein Gespräch mit dem Sportdirektor des deutschen Behinderten-Sportverbandes Herrn Hartleb, erinnern, der zu mir sagte, als ich ihn nach Unterstützung fragte: „Tut mir leid. Da ihr mit dem Para-Karate noch nicht im paralympischen Programm seid, gibt es keine Unterstützung. Wenn ihr es geschafft hat, dann übernehmen wir.“

Hier kommt noch ein Beispiel, wo der deutsche Karateverband von deutschen Behinderten-Sportverband mehr oder weniger alleine gelassen wurde. Und eben nicht so beratend und unterstützend aufgetreten ist, wie ich mir das und auch viele andere für die Inklusion gewünscht hätten.
In diesem Jahr finden die Virtus Global  Games in Frankreich statt. Das ist das höchste sportliche Ereignis für Menschen mit geistiger Behinderung. Wo auch zum ersten Mal Karate mit vertreten ist. Obwohl der deutsche Behinderten-Sportverband (nationales paralympisches Komitee) als Partner der Global Games dafür zuständig ist, fühlt sich der Behinderten-Sportverband einzig und allein für die Registrierung zu diesem Event zuständig. Alles andere, wie Bezahlung und Organisation, überlässt man dem Fachsportverband, in dem Fall dem deutschen Karateverband.

Wenn ich das hier so lese beim Schreiben, dann verstärkt sich bei mir immer mehr der Eindruck, wenn Inklusion überall richtig gemacht und ohne soziale Schischi gelebt wird, dann braucht es die Behinderten-Sportverbände in der From nicht mehr. Davon bin ich überzeugt. Denn dann steht die Behinderung nicht mehr so im Vordergrund, wie es bei den Behinderten-Sportverbänden momentan Arbeitsgrundlage ist. Die Behinderten-Sportverbände sollten an der Unterstützung der Inklusion in nicht behinderten Sportvereinen und -verbänden gemessen werden und nicht an der Verwaltung eines Systems, dass entstanden ist, als es noch gar keine Inklusion gab.


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