Jahresrückblick 2025: Leistung, Lernkurven und...

Jahresrückblick 2025: Leistung, Lernkurven und das nächste Level

Jahresrückblick 2025: Leistung, Lernkurven und das nächste Level

2025 war für mich ein Jahr, das genau das bestätigt hat, was ich am Karate am meisten schätze: Fortschritt entsteht nicht durch perfekte Bedingungen – sondern durch klare Ziele, konsequentes Training und die Fähigkeit, im richtigen Moment abzuliefern. Zwischen Premieren, Titeln, internationalen Highlights und Verbandsarbeit war dieses Jahr voll mit Momenten, die bleiben.

18. Januar 2025: Premiere bei den Dresden Open – und direkt ein Ausrufezeichen

Der 18. Januar wird für mich immer ein besonderer Tag sein: mein erster Wettkampf im Para-Karate. Wochenlange Vorbereitung, Technikfeinschliff, Kata – alles war auf diesen Moment ausgerichtet. Und trotzdem: Als ich morgens nach Dresden aufgebrochen bin, waren die Nerven maximal angespannt. Genau diese Nervosität war aber auch ein Signal: Es geht um etwas.

Die Dresden Open sind längst mehr als ein regionales Turnier – sie haben sich international entwickelt, mit einer Halle voller Athletinnen und Athleten, voller Energie und einer Atmosphäre, die sofort klar macht: Hier zählt Leistung.

Der Moment der Wahrheit: erster Start, voller Fokus

Als ich auf die Tatami gerollt bin, war die Anspannung da – aber auch die Konzentration. Ich habe mich auf Präzision, Timing und die nächsten Schritte fokussiert. Die Kata lief sauber durch. Dieses Gefühl nach dem Auftritt – Erleichterung, Zufriedenheit, Klarheit – war der Startschuss für alles, was 2025 noch kommen sollte.

Finale gegen Lani Markwort: enger geht’s kaum

Nach den Vorrunden stand ich im Finale – gegen Lani Markwort (HKC Magdeburg-Barleben). Ein starkes Duell, hohe Qualität, volle Aufmerksamkeit bei jedem Atemzug. Und dann die Entscheidung: Sieg. Mein erster Wettkampf – und direkt der erste Turniersieg. Ein Ergebnis, das nicht “passiert”, sondern das man sich erarbeitet.

Zwönitztalpokal: Generalprobe mit echtem Wettkampfwert

Nach einigen Jahren Pause ging es für mich zurück zum Zwönitztalpokal – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Turniers. Timing perfekt: als Generalprobe vor der Deutschen Meisterschaft.

Die Woche vorher war allerdings alles andere als ideal: eine Erkältung, körperlich nicht bei 100 Prozent. Genau solche Situationen machen Wettkampferfahrung wertvoll, weil sie die entscheidende Frage stellen: Kannst du trotzdem liefern? Ich habe mich schnell ins Turnier gefunden, den Fokus aufgebaut – und am Ende den Sieg in meiner Kategorie geholt. Was mir dabei immer wichtiger wird: Turniere sind nicht nur Medaillenjagd, sondern Trainingsfläche unter Druck. Gerade im Para-Karate, wo es nach wie vor zu wenige Wettkampfmöglichkeiten gibt, ist jede gut integrierbare Bühne ein Baustein im Leistungsaufbau. Und: Solche Events sind auch Austauschplattform – für Athlet:innen, Trainer:innen und Organisationen, die Para-Karate sichtbar weiterentwickeln.

Deutsche Meisterschaft: Titel verteidigt – und gleichzeitig neu verstanden

Die Deutschen Meisterschaften sind für mich traditionell das erste große Highlight im Wettkampfkalender – und 2025 war der Auftakt in eine Saison, die ich bewusst leistungsorientiert angegangen bin. Sportlich lief der Wettkampf nahezu perfekt: Technik, Ablauf, Timing – alles umgesetzt wie geplant. Und ja: Ich habe den Titel in meiner Kategorie wieder mit nach Hause genommen.

Aber genau hier liegt eine Wahrheit, die im Sport oft unterschätzt wird: Erfolg ist nicht immer gleichbedeutend mit “es war leicht”.

“Ein wenig verspannt …” – und genau das war der Punkt

Als ich meinem Trainer zuhause die Final-Kata noch einmal gezeigt habe, kam ein Satz, der hängen bleibt: „Ein wenig verspannt und nicht so dynamisch, wie du es schon zeigen konntest.“ Das trifft es. Ich war nicht locker – körperlich nicht, mental dadurch auch nicht.

Bei mir spielt dabei ein Faktor mit, den ich nicht wegdiskutieren kann: die Spastik. Ich nenne sie gern meinen “Rucksack”. Manche Tage ist er leicht, manche schwer. An diesem Tag war er schwer – gefühlt wie ein 30-Kilo-Marschgepäck auf 30 Kilometern. Und trotzdem bleibt der Anspruch: das Beste draus machen, nicht ausweichen, nicht klein werden. Denn Selbstbestimmung entsteht nicht in den Tagen, an denen alles leicht ist – sondern in denen, an denen man trotzdem Verantwortung für die eigene Leistung übernimmt.

Und genau daraus nehme ich etwas sehr Positives mit: Wenn es mit schwerem Rucksack schon so gut läuft – dann ist da noch mehr möglich, wenn alles zusammenpasst.

Europameisterschaft 2025 in Jerewan: großes Feld, klare Entwicklung

Die Para-Karate-EM 2025 in Jerewan war ein sportliches Highlight – und gleichzeitig ein deutliches Signal, wie stark sich der Sport entwickelt. Das Teilnehmerfeld war so groß wie nie, die Leistungsdichte enorm, und es gab wieder viele neue Gesichter im Feld. In der Kategorie K30 (Rollstuhl) ist die Bandbreite der Ausgangslagen groß – und genau das macht die Klasse anspruchsvoll.

Ich bin stark ins Turnier gestartet. Runde eins war ein echtes Statement: präzise, präsent, mit Ausdruck. In Runde zwei war der Druck spürbar höher, die Lockerheit nicht mehr so selbstverständlich – trotzdem: alles reingeworfen, maximal gearbeitet. Ergebnis: Platz 7. Und damit ein klarer Schritt nach vorn im Vergleich zum Vorjahr (Platz 13). Diese Platzierung ist für mich nicht nur eine Zahl – sie ist ein messbarer Fortschritt.

Juli & September: Para-Karate strukturell voranbringen – Workshops, Netzwerk, neue Formate

2025 war für mich nicht nur Wettkampfjahr, sondern auch ein Jahr intensiver Arbeit an Strukturen und Qualität.

5. Juli 2025: DKV-Workshop in Elxleben (Erfurt)

Im „Fit-In“ in Elxleben fand ein wichtiger Workshop statt – gezielt für Trainer:innen, die im Leistungsbereich mit Para-Karateka arbeiten (oder einsteigen wollen). Unter Leitung von DKV-Bundestrainer Heiko Kuppi, DKV-Vizepräsidentin Kathrin Brachwitz und mir als Beauftragter für Para-Karate im DKV ging es um praxisnahen Trainingsaufbau, inklusive Trainingsmethoden und konkrete Inhalte wie “Heian Shodan” im Rollstuhl. Besonders stark: der offene Austausch – und der internationale Blick, weil eine Delegation aus Luxemburg vor Ort war, um deutsche Strukturen kennenzulernen.

6. September 2025: Eichsfeld Open – Leistung auf den Punkt

Mehr als 500 Nennungen, internationale Beteiligung, hohes Niveau in Kata und Kumite – und Para-Karate als gleichwertiger Teil des Events. Genau diese Selbstverständlichkeit ist das, was den Sport voranbringt: keine Sonderrolle, sondern gleiche Bühne, gleiche Leistungserwartung. Trotz Erkältung konnte ich meine Kategorie gewinnen und den Titel verteidigen. Ein wichtiger Baustein Richtung WM.

20. September 2025: Workshop in Dresden – Dynamik, Qualität, Zukunft

Der Workshop in Dresden war einer der stärksten Termine des Jahres: klar strukturiert, hohe Energie, echte Impulse – für Anfänger, Wettkampfinteressierte und Kampfrichter gleichermaßen. Ein Highlight war die Erprobung von Para-Mixed: Teams aus Para-Karateka und nicht-behinderten Kata-Athleten, bewertet individuell – entschieden wird über das Teamergebnis. Ein Format mit Potenzial: sportlich attraktiv, fair, und anschlussfähig für Events und Öffentlichkeit.

November: Weltmeisterschaft 2025 in Kairo – Realitätstest für Vorbereitung und Belastbarkeit

Die WM in Kairo war für mich mehr als ein Wettkampf. Sie war ein Test, wie stabil Leistungsfähigkeit bleibt, wenn äußere Bedingungen nicht passen. Und ja: Die Bedingungen waren herausfordernd – organisatorisch und infrastrukturell. Für mich persönlich war die durchgehend zu kalte Klimaanlage ein massiver Faktor, weil Kälte direkt auf Muskeltonus, Flexibilität und Timing wirkt – genau die Parameter, die im Kata entscheidend sind.

Gleichzeitig hat Kairo gezeigt, wie international und groß das Para-Karate inzwischen ist: Bei der WM waren 115 Athletinnen und Athleten aus 31 Nationen am Start.

Ich nehme aus Kairo keine Ausreden mit. Ich nehme Klarheit mit: wo ich stabil bin, wo ich noch präziser werden muss – und wie wichtig Anpassungsfähigkeit auf diesem Level ist. Der Blick richtet sich damit ganz klar nach vorn.

Dezember: DAN-Prüfung bestanden – starker Jahresabschluss

Ein sportlicher Jahresrückblick 2025 wäre nicht vollständig ohne meinen Dezember-Meilenstein: die bestandene DAN-Prüfung. Für mich ist das nicht “nur” eine Graduierung, sondern ein Qualitätssiegel für Kontinuität: Technikverständnis, Disziplin, Dojo-Arbeit – und die Bereitschaft, weiter Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen.

Ausblick: Frankfurt 2026 als Zielmarke – der Weg läuft

Mit den Erfahrungen aus 2025 geht es für mich in eine Phase, die noch konsequenter auf Performance ausgerichtet ist: Stabilität der Abläufe, bessere Reproduzierbarkeit unter wechselnden Bedingungen, optimierte Aktivierung, mentale Routinen – und das nächste Level in Präzision und Ausdruck.

Danke – weil Leistung auch ein Team hat

Ein großes Dankeschön für 2025 geht an meine Sponsoren Edeka Koch, Auto-Scholz-AVS und SBJ Sportland – sowie an meinen Verein Bushido Waltershausen. Ohne eure Unterstützung wäre dieser Weg in dieser Konsequenz nicht möglich.

Oss – und auf ein starkes 2026.


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